Bewerbungen

Nachdem es gerade nebenan im Bestatterblog kontrovers diskutiert wird, denke ich, sollte ich hier auch mal das Thema Bewerbungen aufgreifen. Immer wieder interessant, wie bei diesem Thema zwei Welten aufeinanderprallen.. einerseits der „boese Personalchef“ der niemanden einstellen will, andererseits der „faule und unfaehige Bewerber“ und diverse andere.

Ich bin nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit nach dem Studium (und rund 250 verschickten Bewerbungen) nun seit einer Woche in Arbeit, und das in meinem absoluten Traumjob.. haette ich frueher aufgegeben, wuerde ich wohl bald in einem vom Amt verordneten „zumutbaren Zwangsjob“ mein Dasein fristen. Allein ueber dieses Gesetzeskonstrukt des zumutbaren Jobs koennte ich Seiten bloggen – und habe ich schon Stunden mit meinem Betreuer beim Amt gestritten. Sicher mag es fuer die Vermittler gut sein dass es dieses Gesetz gibt – gibt es ihnen doch die Sicherheit, sich nicht wirklich um die Arbeitssuchenden kuemmern zu muessen, sondern ihnen einfach nach einem Jahr irgendwas zwangszuverordnen was grade dringend weg muss. An die Firmen, und erst recht an die Arbeitssuchenden hat bei dem Gesetz vermutlich niemand gedacht. Mir wurde auf dieser Gesetzesbasis unter anderem ein Job als Parkplatzwache und ein anderer als Katalogaustraeger vorgelegt, welche ich erst nach Drohung mit dem Sozialgericht wirksam ablehnen „durfte“. (Wir erinnern uns.. ich bin frisch studierter Informatiker!) Nun stellen wir uns mal vor, ich wuerde brav und unterwuerfig mich dort als Parkplatzwache bewerben. Entweder, der Personalchef schickt mich wegen Ueberqualifizierung heim (und ich darf das dann gegenueber dem Amt rechtfertigen), oder ich bekomme den Job. Ich will den Job aber nicht. Dementsprechend laeuft es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nach wenigen Tagen oder Wochen auf eine Kuendigung raus, und das Spiel faengt von vorne an. Dadurch entsteht neuer Papierkram, dadurch entsteht dem Arbeitgeber dem ich zugewiesen werde eine Menge Aufwand und Kosten, und die Stelle ist immer noch nicht besetzt. Verluste auf der ganzen Linie, aber der Arbeitslosenverwalter beim Amt hat ein Kreuzchen mehr im Kalender bei „erfolgte Vermittlungen“.

Das letzte halbe Jahr habe ich in einer Art Selbsthilfegruppe des Arbeitsamtes verbracht, und habe da die Bewerberschicksale einiger dutzend Arbeitssuchenden mitbekommen – und oft die Welt nicht verstanden. Teilweise haben sich auf eine Stelle zwei oder drei von „uns“ beworben, und die Stelle ging schliesslich an den den wir am schlechtesten geeignet hielten. Teilweise bekamen zwei oder drei Leute die gleichen Absagebegruendungen, obwohl ihre Kenntnisse unterschiedlicher nicht haetten sein koennen – scheiss faule Personalchefs die nur Vordrucke werfen, scheiss Politiker fuer das Gleichstellungsgesetz.

Ich habe selbst schon bei Absagen die eigentlich fachlich hervorragend gepasst haetten bei Firmen angefragt woran es denn gescheitert ist.. aber ausser „das duerfen wir Ihnen aus rechtlichen Gruenden nicht sagen“ war nichts herauszubekommen. Toll.. wie soll der Bewerber sich denn dann ggf. bei der naechsten Chance verbessern? Mit einer ehrlichen Antwort wie „Es lag am ungepflegten Auftreten“ oder „Wir muessen seine koerperliche Belastbarkeit fuer den Job anzweifeln“ waere den Bewerbern viel mehr geholfen – sei es dass man eventuell einen anderen Job anstreben sollte, oder dass man den Kandidaten vor dem naechsten Termin mal gemeinsam etwas herausputzt.

Von meinen 250 Bewerbungen habe ich rund 80 per Brief versandt (ordentliche Mappe, aufgeklebtes Bild, Materialaufwand inkl Porto 5-6Eur), davon habe ich SECHS zurueckbekommen, davon ZWEI in einem Zustand dass man sie weiterverwenden haette koennen. Ansonsten – Eingangsstempel uebers Foto, Knicke, Heftungen, Notizen(!). Nachfragen haben fast immer ergeben „Die Unterlagen wurden bereits vernichtet“ (danke auch.. ist ja nur mein Geld), oder „Die Unterlagen verbleiben bei unseren Akten, vielleicht kommen wir noch auf Sie zurueck.“ (klar, wer’s glaubt. Rundablage.) Das Arbeitsamt hat mir zwar eine Bewerbungskostenbeihilfe zugesichert, aber nur gegen Versandbestaetigung der Post (Einschreiben?!), und maximal fuer 1 Bewerbung pro Woche – andererseits wollte man aber 10 Bewerbungen pro Monat vorgelegt sehen, als Nachweis fuer das aktive Interesse an einem Job.

Wir haben den Jobsuchenden immer die Bilder gescannt und auf guten Anlagen auf die Deckblaetter gedruckt – aber was uns da teilweise an aelteren Bewerbungen gezeigt wurde, hat mir oft die Haare zu Berge stehen lassen. Schreibfehler schon im Firmennamen, Flecken, Knicke, verworrener Satzbau, Zeugniskopien schief und abgeschnitten. Kein Wunder dass das nicht ankommt. Dementsprechend viel Zeit investierten wir dann auch in die Neuerstellung. Genauso grauenhaft sieht es aber leider auch bei den Firmen aus.. mir wurden Zeugnisse zum Scan vorgelegt, auf denen die Namen der Bewerber falsch geschrieben waren, Zahlendreher in den Arbeitszeitraeumen (die zu Loechern im Lebenslauf fuehren, die schwer glaubwuerdig zu erklaeren sind), oft in schlechtestem Deutsch, schief auf schlechte Briefboegen kopiert etc. Viele Firmen geben offenbar einen Dreck darauf, was sie ihren Mitarbeitern auf den weiteren Lebensweg mitgeben. Weg ist weg. Ich weiss nicht mehr, bei wievielen Firmen ich in dem halben Jahr angerufen habe, und im Namen der Teilnehmer ein neues Zeugnis angefordert habe, weil das vorhande in untragbarem Zustand war. Gut dass das sechs Monate lang rechtlich verpflichtend moeglich ist.

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