SFU? WTF!

Nein, mit SFU meine ich nicht die beliebte Totengraeberserie, sondern das Microsoft-Toolset „Windows Services for UNIX“.

Eigenlich faengt alles ganz harmlos an… „Kannst du mal schaun ob du einen Weg findest, von nem Solaris-Server aus per Script ein Programm auf einer Windows-Muehle zu starten?“ – Klar, ganz einfach.. gibt doch rsh und rexec. Tja, knapp daneben, ist beides nach Win2k nicht mehr bei Windows enthalten. Gut, ich hab ja vor Jahren mal mit SFU 2.0 gearbeitet, da sind die Daemons dabei, nimmste halt das. Praktischerweise gibts die aktuelle und letzte Version 3.5 sogar kostenlos zum Runterladen. Ein kleiner Blick auf die Wikipedia-Seite zu dem Programm verraet mir, dass Microsoft da irgendwie _alles_ umgekrempelt hat dran. WTF?!

Die SFU 2.0 die ich hier zu Hause installiert habe, ist prinzipiell nur eine umgelabelte Version des Mortice-Kern-Systems MKS Toolkit, ein Paket aus Win32-Kompilaten der meisten Unix Tools, also ein auf Windows angepasstes GNU Toolset und die gaengigsten Netzwerkdaemons etc

Nicht so die aktuelle SFU 3.5, bei der mittels dem MS-eigenen Unix-Derivaten Interix eine komplette Ausfuehrungsschicht gebastelt wurde, die beim Windows-Start quasi im Hintergrund mitbootet. Nur leider ist Interix von Grund auf so richtig schoen microsoftig kaputt, dass man aus dem Schreien nicht mehr rauskommt. Der Umgang mit Unix-ueblichen Pfadangaben wie /usr/bin wurde offenbar nur zur Haelfte fertiggecodet, einige Tools aus dem Paket wollen lieber mit c:\sfu\common\usr\bin angesprochen werden, einige Daemons erwarten ihre Konfigurationsdateien in /etc (welches durch Interix nach c:\sfu\etc gemappt wird), andere suchen in %windir%\system32\drivers\etc, bei einigen Daemons wurde der Punkt vor den privaten Dateien weggemacht, bei anderen wurde er beibehalten – und Windows, bzw. der Explorer, weigert sich eh, Dateien mit fuehrendem Punkt zu erstellen. Also ohne Punkt erstellen, dann von der Befehlszeile aus umbenennen.. *grr*

Logdateien werden von den mitgelieferten Daemons so gut wie keine erstellt, weil syslogd hamse nicht mitportiert und selber schreiben koennen die wenigsten Dienste. Die paar Daemons die selbst welche erstellen, suelzen so kryptische Meldungen die zur Fehlersuche wertlos sind. „in.rshd: Login mstn: Failure“ – kein Warum oder wo. Dass es fehlschlaegt seh ich selber.. der Grund geht mich offenbar nichts an. Praktischerweise passt auch die Online-Dokumentation nicht zum Produkt – da werden Pfade genannt die nicht existieren, Bilder von Konfigurationsdialogen gezeigt mit Optionen die da schlicht nicht vorhanden sind, und Einstellungen teilweise an so vielen Orten gesucht dass selbst Debug-Versuche mit Regmon und Filemon zur Odyssee im Dateisystem werden.

Unterm Strich wurde aus dem „Ich installier mal eben SFU und richte den rexecd ein.“ eine mehrstuendige Bastlerei, die in einem hochfrustrierten Klick auf den Uninstall-Knopf geendet hat.  Die eigentliche Aufgabenstellung habe ich dann mit dem (kostenpflichtigen aber preiswerten) rexecd/nt von denicomp.com innerhalb 5 Minuten geloest. Mal wieder ein typischer Fall von Untauglichkeit von Microsoft-Produkten. Danke Redmond!

Veröffentlicht in Job. 1 Comment »

Eine Antwort to “SFU? WTF!”

  1. Zarquod Says:

    SSH müsste doch auch gehen? Das gibt’s zumindest auf Cygwin-Basis.


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