Heuschreckenalarm!

Ich wollts eigentlich am Mittwoch schon schreiben, aber man weiss ja nie wer dieses Blog hier liest, und ich will an nix schuld sein.. aber: Gestern waren die Heuschrecken im Haus.

Mal etwas zurueckgegriffen: EMI Music (ja, das gewichtige Major Label) wurde von einer Heuschrecke (Muentefering-Sprech fuer Private Equity Gesellschaft) gekauft, fuer die schlappe Summe von 5,8 Milliarden Euro. Heuschrecken deswegen, weil diese Gesellschaften ueblicherweise nur einen Bruchteil des Kaufpreises als Eigenkapital zahlen – der Rest wird als Kredit aufgenommen und nach dem Kauf an das Opfer uebertragen, und das so abgeschoepfte Kapital an die Anleger ausgezahlt. „Rekapitalisierung“ nennt sich sowas dann.. obwohl Dekapitalisierung eher passen wuerde. Wenn das Opfer dann unter der Schuldenlast zusammenbricht, werden erst Leute rausgeschmissen und spaeter Konkurs angemeldet. Befallen, aussagen, wegschmeissen. Mit der gleichen Masche hat „unsere“ Heuschrecke z.b. letztes Jahr die Tank&Rast Autobahnrestaurantkette fast in den Abgrund „optimiert“.

Nun hat sich also am Montag eben diese Heuschrecke angekuendigt, die diversen Vertragspartner der EMI begutachten zu wollen, und damit auch uns. Wir haben ja von EMI einiges an Servern gestellt bekommen.. die laufen also bei uns, werden bei uns betreut, aber gehoeren nicht uns. Und damit wir einen moeglichst guten Eindruck hinterlassen, wurden eiligst Konferenzen einberufen und die halbe Firma umgekrempelt und aufgeraeumt etc.. sogar der seit Monaten inaktive Kartenleser an unserer Buerotuere wurde aktiviert, wie ich dann am Donnerstag Morgen schmerzhaft feststellen durfte. Unter Zeitdruck eben ein paar Statistiken optimiert und ein paar wichtig aussehende Diagramme gebaut und aufgehaengt, das haette der alte Potemkin nicht besser hinbekommen.  Sogar die Fensterscheiben an den Serverracks wurden nach Jahrzehnten mal wieder poliert – die waren immer noch ganz grau von dem Brand. Ich war fast auch ein bisschen beeindruckt wie wir uns doch verstellen koennen.

Nun waren die also Donnerstag Nachmittag da, das illustre Dreigespann, und haben sich auf der geplanten Route herumfuehren lassen.. mal hier ein kleines Schwaetzchen mit einem Angestellten, mal dort einen Blick auf die Statistikdrucke, und unser Chef hat irgendwie die Aura eines verstaubten Museumsfuehrers an sich gehabt.  Dementsprechend hatten wir heute genug zu tun, die Abteilungen wieder in einen benutzbaren Zustand zu versetzen.. Teilekisten wieder aus den Schraenken reissen, Unterlagen neu auf den Tischen ausbreiten, die Statistikbildschirme auf die realen Werte zuruecktrimmen etc.. und das alles nur, um vor ein paar gierigen Heuschrecken gut dazustehen.

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